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  21.08.2008
 
 

Mit fremden Rechnern rechnen

Distributed Computing - Die Alien-Jäger von Seti-at-Home machen es vor: Hunderttausende weltweit zerstreuter Computer werden übers Internet zu einem Superrechner zusammengeschaltet. Einige Gründer wollen aus der Idee jetzt Profit schlagen

aus "Net-Business", 27. November 2000, Seite 37

www.i42.de Im Monatstakt schmeißen die Halbleiterhersteller Intel, AMD und Co. ihre immer muskulöseren Rechenknechte auf den Markt: Dieser Tag hat Marktführer Intel die neue Pentium-Generation vorgestellt: Mit beachtlichen 1500 Megahertz gehen diese Computerchips ans Werk. Doch leider nutzt kaum jemand die volle Leistungskraft seines Prozessors aus. Experten schätzen, dass ein durchschnittlicher Pentium-III-Nutzer gerade einmal 5 Prozent des Chippotenzials ausreizt. Den brachliegenden Rest wollen nun findige Startups für ihre Zwecke nutzen.

Zum Beispiel zur Berechnung zukünftiger Aktienkurse - ein Service, den MoneyBee.de seit zwei Monaten anbietet. Als erstes deutsches Projekt zapfen die Mannheimer private PCs an, um deren Kapazitäten für die rechenintensiven Prognosen zu nutzen. "Die Idee kam uns, als wir vergangenes Jahr die Seite von Seti-at-Home anschauten", sagt Till Mansmann, 32, Geschäftsführer von i42 und Entwickler von MoneyBee.

Seti-at-Home (Search for Extraterrestrial Intelligence) ist ein Projekt amerikanischer Astronomen, die nach außerirdischem Leben suchen. Weil die Forscher aber nicht genügend Geld für einen Computer hatten, der die anfallenden Datenmengen verarbeiten kann, ersannen sie 1998 die Idee, jeden PC-Besitzer an der Suche teilhaben zu lassen. Zurzeit sind rund zwei Millionen User mit Hilfe der Seti-Software auf Alien-Jagd. Jedesmal wenn der Bildschirmschoner anspringt, legt das Programm los, berechnet die übersandten Rohdaten und schickt sie anschließend zurück an die Wissenschaftler. Rund 40 000 Gigabytes Rechenleistung bringt die Genossenschaft so weltweit zusammen - der de facto stärkste Computer der Welt.

Distributed Computing nennt sich dieses Prinzip, nach dem auch MoneyBee funktioniert. Mit dem Unterschied, dass bei Seti allenfalls Ruhm und Ehre locken, bei der Mannheimer "Geldbiene" hingegen Anlagetipps. Denn nur diejenigen, die Computerpower spenden, dürfen auch die Prognoseergebnisse einsehen. 3000 Nutzer haben sich bereits die Software von i42 besorgt. Das entspricht, so Mansmann, "ungefähr der halben Leistung von Rechenzentren, wie sie große Banken ihr Eigen nennen."

In den Vereinigten Staaten lassen Unternehmen wie Boeing oder die Siemens-Tochter Pratt & Whitney schon länger ihre internen Workstations zusammenarbeiten - etwa um komplizierte Luftbewegungen an Flugzeugturbinen zu kalkulieren. US-Softwarefirmen, die die entsprechende Meta-Software dazu liefern, wie Centrata und Entropia, erhalten mittlerweile zweistellige Millionenbeträge von Risikokapitalgebern.

Von solchen Summen kann Till Mansmann bislang nur träumen. Der ehemalige Redakteur des "Kress-Reports" hat mit seinen Kollegen Andreas Bohn und Hartmut Ulrich über private Investoren und den Venture Capitalist TBG das Grundkapital zusammengekratzt - einen niedrigen siebenstelligen Betrag. "Aber immerhin mussten wir nicht mit unserem Businessplan hausieren gehen", so der 32-Jährige. Acht Mitarbeiter kümmern sich bei i42 um insgesamt drei Projekte, von denen eines sogar Gewinn macht. "Wir beraten, ganz klassisch, Unternehmen und bauen ihnen Homepages. Wie eine normale Multimediaagentur." Das zweite Standbein ist der Verkauf von Bildschirmschonern als Werbefläche. Genau mit dieser Idee wollen die drei Gründer auch MoneyBee finanzieren. "Eine exklusivere Werbefläche als den Bildschirmschoner gibt es wohl kaum", sagt Mansmann. Außerdem soll Geld durch die Content-Lizenzioerung reinkommen - ähnlich wie bei der Finanzseite Onvista, die ihre Inhalte ebenfalls verkauft.

Dass der Verkauf von Werbefläche nicht unbedingt den großen Reibach verspricht, weiß auch Till Mansmann. Seine Firma hat sich deshalb entschieden, langsam zu wachsen und nicht möglichst schnell und viel in Mitarbeiter und Marketing zu investieren. "Wir gehen davon aus", so der Mannheimer, "dass wir mit weniger Leuten schneller den Break-Even erreichen."

Das Team hat mir der "Geldbiene" immerhin ein Programm entwickelt, deren Prognosen eine Treffgenauigkeit von durchschnittlich 60 % erzielen. "In Einzelfällen lagen wir auch schon bei 75 %", berichtet Mansmann. 53 tagesaktuelle Kurse stehen zur Verfügung. Wochen- und Monatsprognosen sind in Arbeit und sollen Anfang nächsten Jahres abgefragt werden können. Die guten Ergebnisse verdankt i42 natürlich den 3000 Mitrechnern sowie dem neuronalen Netz, auf dessen Basis die Kalkulationen laufen. Das System könne sogar lernen - wenn auch nicht sonderlich schnell, wie Mansmann einräumt. Das größte Manko ist bislang noch die Abhängigkeit vom Bildschirmschoner - einem Relikt aus alten Tagen, als sich Schriften gerne mal im Monitor einbrannten. Mittlerweile sind die Pausenbildchen eigentlich unnötig. Deshalb arbeitet i42 an einer Version, die die freien Rechnerkapazitäten beim Surfen oder Briefe schreiben nutzt. "Dann", so ist sich Mansmann sicher, "schlagen wir die professionellen Analysten allemal."

Niels Kruse

www.prattandwhitney.com
setiathome.ssl.berkeley.edu

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i42 übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben