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  21.08.2008
 
 

MoneyBee ist bullen- und bärenstark

Mit Bienenfleiss zu Aktien-Prognosen

aus: "Online PC Zeitung", Zürich, Januar 2001

Ob Grossbank oder Kleinanleger, ob Bulle oder Bär, ob Daytrader oder Investmentfondsnutzniesser, jeder wüsste gern, in welche Richtung sich die Börsenkurse bewegen. Neben Intuition, Kristallkugel, Wirtschaftsteil und Analyst kommt beim Prognoseversuch auch der Computer zum Einsatz, vor allem natürlich Grossrechner bei Grossbanken. Das deutsche Unternehmen i42 geht einen für den Aktienmarkt neuen Weg: ein künstliches neuronales Netz vereinigt via Internet die Rechenkraft tausender Privat-PCs, deren Besitzer die ermittelten Prognosedaten nutzen können.

ist ein unter Windows 95, 98, 2000 und NT (nicht aber Unix oder Macintosh) arbeitender Bildschirmschoner, der nur dann aktiv wird, wenn der Rechner nicht anderweitig im Einsatz ist. Er wird mit einer Unzahl von historischen Börsendaten gefüttert, die mit der realen Entwicklung verglichen werden. Ein künstliches neuronales Netz funktioniert im Prinzip wie die menschliche Grosshirnrinde, wo Nervenzellen über Synapsen miteinander vielfach verschaltet sind und diese Verbindungen unterschiedliche Gewichtungen haben, sodass Anzahl und Reihenfolge der Impulseingänge zu verschiedenen Wertungen führen. Diese Eigenschaften machen neuronale Netze lernfähig. Je mehr historische Börsendaten bis zu zigtausendmal eingegeben werden, desto geringer fallen die Differenzen von MoneyBees Prognosen zu realen Zahlen aus. "Das neuronale Netz ist eine Art künstliches Gehirn im Internet", sagt der Diplom-Physiker Till Mansmann, der zusammen mit dem Wirtschaftsinformatiker Andreas Bohn und dem Computerjournalisten Hartmut Ulrich im Sommer 1999 die "i42 Informationsmanagement GmbH" in Mannheim gegründet hat (der Firmenname hat mit der Rolle der Zahl 42 in Douglas Adams' SF-Roman "Per Anhalter durch die Galaxis" zu tun). Die Anwendung wurde massgeblich von dem i42-Mitarbeiter Stefan Selle entwickelt, der seine Wirtschafts-Diplomarbeit an der Uni Heidelberg zum Thema "Aktienanalyse mit neuronalen Netzen" geschrieben hatte.

Die zentrale Bienenstock-Datei, wo der von den fleissig summenden MoneyBees gesammelte Daten-"Honig" geschleudert – also aufbereitet – wird, befindet sich in Mannheim. Die "Bienen" selbst können überall sitzen, das Netz kennt bekanntlich keine Grenzen. Wer sich bei MoneyBee anmeldet und den Bildschirmschoner herunterlädt und installiert, verpflichtet sich damit an sich zu nichts, sondern bekommt von i42 unverbindlich Aufgaben, die der Bildschirmschoner dann durchrechnet. Virusattacken sind nicht zu befürchten, weil der Austausch der Daten über reine Textdateien erfolgt, die keine Programmaufrufe enthalten können. Die Prognosen von MoneyBee kann der Nutzer dann mit Name und Passwort auf einer Webseite ansehen.

"Wir haben zwei Trefferquoten definiert. Die Tendenz-Trefferquote gibt an, ob das Vorzeichen der Kursänderung getroffen wurde. Die zufällige Verteilung liegt hier bei 50 %, MoneyBee erreicht heute schon 60 %", so Till Mansmann. Wenn es um die Korridor-Treffer gehe, die aussagen, wie genau der Ausschlag der Kursbewegung getroffen wurde, müsse MoneyBee allerdings noch sehr zulegen: "Hier liegt MoneyBee mit 30 % nur sehr knapp vor der Zufallsquote von 28,6 %", gibt Mansmann zu. "Das ist sicher noch nicht die Welt, aber wir stehen bei der Optimierung ja noch ganz am Anfang", gibt er sich optimistisch.

Erschwerend für die Prognosen ist die hohe Volatilität. "Wenn sich der Markt beruhigt, erleben wir einen Quantensprung bei den Trefferquoten", sagt Till Mansmann. Immer wenn aktuelle Ereignisse die Kurse bestimmen, ist die Prognosequalität eher schlecht. Zwei Beispiele: Für den 28. September prognostizierte MoneyBee für Daimler-Chrysler + 0,20 Prozent. Real waren es wegen einer Gewinnwarnung von Jürgen Schrempp – 4,37. In der weiteren Prognose lag MoneyBee dagegen wieder richtig: Für den 29. September sagte MoneyBee + 0,49 % voraus, real waren es + 0,46 % Kursgewinn. "Die Aktie erholte sich also, verzieh die Gewinnwarnung aber nicht gleich wieder ganz – hier lag unser System genau richtig", freut sich Mansmann, der auch ein Beispiel für den Neuen Markt parat hat: für den 13.10. hat MoneyBee für Nemax-Werte überall ein Minus prognostiziert, das auch weitgehend eintrat, nur bei Ixos + 10 Prozent. Tatsächlich waren es etwa 14 % Steigerung. Und für den Folgetag lag MoneyBee mit 10,42 gegenüber real 10,39 Prozent Plus wieder sehr gut.

MoneyBee gibt weder Kaufs- noch Verkaufsempfehlungen, sondern versteht sich strikt als technische Aktienkursanalyse. "Wir empfehlen unseren Nutzern, MoneyBee als Ergänzung zu anderen Marktdaten zu nutzen", so Mansmann. Dennoch betont er die Bedeutung von MoneyBee für die Zukunft: "MoneyBee ist auf der Analyse-Ebene das erste System, das mit Profi-Tools mithalten kann."

Derzeit sind 3300 Bienen fleissig, davon etwa 80 aus der Schweiz und circa 165 aus Österreich. Für ein optimales Funktionieren des Netzes würden ungefähr 5000 Nutzer gebraucht, wobei i42 zuerst von 17.000 Nutzern ausgegangen war, aber unterschätzt hatte, wie viel Rechenleistung pro PC im Schnitt geliefert wird. Die derzeitige Gesamtrechenleistung entspricht dem 420fachen eines PC, was auf ca. 0,042 Teraflops hinausläuft. Grossrechner erreichen 0,1 bis 4 Teraflops, die grösste deutsche Anlage, ein Wetterrechner in Offenbach, hat 1 Teraflops Kapazität. MoneyBee hat also jetzt schon fast halbe Grossrechnerleistung! Momentan erstellt MoneyBee 53 Vorhersagen: Ein-Tages-Prognosen für 28 der 30 Dax-Werte, 16 Werte aus dem Nemax 50 sowie sieben Indices und zwei Währungen. Nahziel für MoneyBee sind Wochen- oder Monatsprognosen für die zur Zeit bearbeiteten Titel, bis Mitte 2001 sollen auch Prognosen für US-Börsen zur Verfügung stehen. Dass Informationsprofis am Werk sind, sieht man auch an der Website, die vorbildlich gestaltet ist und kaum eine Frage offen lässt. Also: reinsehen und Imker werden! – www.moneybee.de

Kasten: Rechen-Power

Die Rechenleistung, die i42 mit MoneyBee erreichen will, ist gewaltig. Die Leistung eines Grossrechners wird in Teraflops berechnet - das sind 1000 Millionen Fliesskomma-Rechenoperationen pro Sekunde. Ab etwa 0,1 Teraflops wird von einem Grossrechner gesprochen. Der grösste Rechner der Welt, der 100 Millionen Dollar teure ASCI White von IBM, hat rund 12.3 Teraflops zu bieten. Ein normaler PC bringt es dagegen auf etwa 0,0001 Teraflops. i42 schätzt, dass jeder Nutzer etwa ein Datenpaket pro Woche zurückliefert und dass sein PC dafür zehn Stunden gerechnet hat. 17 Nutzer würden demnach gemeinsam eine Arbeitsleistung einbringen, die einem ständig aktiven PC entspricht. Bei 1700 Nutzern wäre das bereits die Kapazität von 100 PCs.

Dazu: Interview mit i42-Geschäftsführer Till Mansmann

Außerdem auf der Titelseite von "PC Online Zeitung": Aufmacherartikel über MoneyBee

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i42 übernimmt keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben